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Achtsamkeit

Mit Meditation ist das so eine Sache – ich habe die Erfahrung gemacht, dass Viele das ganze ziemlich schräg finden und es ihnen irgendwie zu „esoterisch“ ist. Und ehrlich gesagt war das auch lange meine persönlich Meinung. Aber mein Gott, haben sich die Dinge verändert seitdem.

Durch meine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin kam ich zum ersten mal ganz intensiv in Kontakt mit dem Thema Meditation.
Zunächst muss ich hier meinen Lehrern, Jana und Martin, dafür danken, mich der Sache näher gebracht zu haben.
In meiner Ausbildung also haben wir jeden Morgen mit einer knappen Stunde Meditation begonnen.
Ja, richtig gehört: eine Stunde. Ich will hier ganz ehrlich sein, ich habe es gehasst. Still sitzen ist überhaupt nicht mein Ding und dann auch noch frühs um sieben, wenn man noch völlig geschlaucht ist vom letzten Ausbildungstag.
In den ersten Wochen meiner Ausbildung habe ich also praktisch gelernt im Sitzen zu schlafen.
Kurzum: jeden Morgen konnte ich es kaum erwarten, dass die Stunde endlich vorbei ist und wir mit unserer Asana-Praxis begonnen haben.

Erst während meiner Reise nach Indien und dem Yoga-Retreat dort habe ich begonnen Meditation wirklich zu verstehen und lieben zu lernen. Und aus diesem anfänglichen Hass hat sich dann letztendlich eine richtige Faszination und Liebe zur Mediation entwickelt. Ich wollte mehr erfahren und herausfinden, nicht auf einer spirituellen Ebene sondern eher vor einem sachlichen-wissenschaftlichen Hintergrund. Und, wie es das Schicksal so wollte, wurde mein Wunsch wahr: ich konnte meine Bachelorarbeit über Achtsamkeitsmeditation schreiben!

Da meine Abschluss ein Bachelor of Science ist, genügt es nicht in einer Abschlussarbeit Zitate und Informationen zu sammeln und einen schönen Text daraus zu basteln – quantitative Studien und Ergebnisse (das heißt wirklich in Zahlen gemessene Umfragen, Experimente und Ergebnisse) spielen eine entscheidende Rolle. Ich möchte euch nicht mit p-Werten und Wahrscheinlichkeiten und all diesem Statistik-Kram langweilen – was ich also hier mit euch teilen möchte ist ein kurzer Überblick meiner Recherche.

In den letzten Jahrzehnten ist mit der Faszination an fernöstlicher Tradition und Kulturgut auch das Interesse an Achtsamkeit und Meditation (und der Erforschung davon) rasant gewachsen [1; 2; 3]. 
Mir war am Anfang meiner Suche nicht klar gewesen, dass Achtsamkeit (englisch: mindfulness) keineswegs als spirituelles / esoterisches Getue belächelt wird – es gibt tatsächlich Forschung (wissenschaftliche, mit Studien und Experimenten und Messungen und und und) zu dem Thema.

Aber beginnen wir doch ganz am Anfang:  Der Grundstein der Achtsamkeit liegt mehrere tausend Jahre zurück – Meditation fand ihren Ursprung in der Tradition des Buddhismus[4; 5].
Achtsamkeit wird also seit etwa 2500 bis 2600 Jahre praktiziert [3; 5; 6]. Die ältesten schriftlichen Aufzeichnen über Achtsamkeit sind im sogenannten Pali Kanon der Theravada Tradition des Buddhismus zu finden – das ist eine Richtung / Tradition des Buddhimus, die heute hauptsächlich noch in Sri Lanka, Myanmar, Laos, Kambodscha und Thailand praktiziert wird [4]. Die bei uns  im Westen bekannteren Traditionen wie etwa der Zen-Buddhismus entspringen dieser Tradition [5].

Wir meditieren aus vielen unterschiedlichen Gründen: Umgang mit Stress und Krankheit, Selbstfindung, Spiritualität, Interesse an Psychologie und vieles mehr [5]. Nicht nur wir Laien haben den Meditation für uns entdeckt, auch in der klinischen Psychologie werden Achtsamkeitstechniken verwendet! Ganz besonders wenn es um Behandlung von Stress geht [7]. Der aktuelle Forschungsstand legt nahe, dass Achtsamkeitstechniken eine Möglichkeit sind, mit einer großen Menge an physischen und psychischen Krankheiten umzugehen [2].

Aber was ist mindfulness überhaupt? Wie ich während meiner Recherche schmerzlich feststellen musste ist man sich in der Forschung dabei überhaupt nicht einig [8; 9].

Vielleicht ist es zunächst wichtig zu sagen, was Achtsamkeit nicht ist: Fälschlicherweise ist die Annahme weit verbreitet, dass  Achtsamkeit eine Technik ist, um „den Kopf zu leeren“ und keine Gedanken mehr zu haben [10].

Der buddhistische Ursprungsgedanke der Achtsamkeit wird als das Anhaften an das Objekt des Bewusstseins mit einem klaren mentalen Fokus im gegenwärtigen Moment beschrieben [4].
Wow, das ist mal ein Satz. Ich persönlich konnte damit nicht besonders viel anfangen ehrlich gesagt, aber jede Definition die ich fand brachte mich ein Stückchen näher an das Konzept Achtsamkeit heran.

Ich habe also versucht, einen gemeinsamen Konsens all dieser Definitionen herauszustellen:

  1. Achtsamkeit tritt nicht von selbst ein, sondern muss aktiv erarbeitet werden und kostet den Praktizierenden Anstrengung [11; 12; 13].
  2. Achtsamkeit geschieht im gegenwärtigen Augenblick oder bezieht sich auf diesen [11; 12; 14; 15; 16; 17].
  3. mindfulness ermöglicht den Ausstieg aus automatisiertem Denken und Handeln (das heißt wenn wir Dinge (wie z.B. Essen im „Autopiloten“ tun ohne die Situation voll und ganz zu erleben) [12; 13; 17; 18].
  4. Daher kann es durch Achtsamkeit zu einer Art reinem Beobachten und Erleben der Situation kommen  [11; 12; 19] …
  5. … ohne dass eine Wertung darüber erfolgt [12; 14; 15; 19; 20]

Nachdem jetzt (ansatzweise) geklärt ist, was Achtsamkeit ist fragt ihr euch vielleicht, wie so eine Achtsamkeitspraxis aussieht.
Die klassische Form der Achtsamkeitspraxis ist die Meditation. Mehr über Meditation könnt ihr in meinem Blogpost darüber lesen.

Ich hoffe, dieser kurze Überblick hat euch gefallen – was haltet ihr von Achtsamkeit und Meditation?
Ich würde mich freuen, in den Kommentaren darüber zu lesen!

Be kind!

Julia

 


Quellen:

  1. Bishop, S. R., Lau, M., Shapiro, S., Carlson, L., Anderson, N. D., Carmody, J., . . . Velting, D. (2004). Mindfulness: A proposed operational definition. Clinical Psychology: Science and Practice, 11(3), 230-241.
  2. Chiesa, A. (2013). The difficulty of defining mindfulness: Current thought and critical issues. Mindfulness, 4(3), 255-268.

  3. Hayes, A. M., & Feldman, G. (2004). Clarifying the construct of mindfulness in the context of emotion regulation and the process of change in therapy. Clinical Psychology: Science and Practice, 11(3), 255-262.

  4. Rosch, E. (2007). More than mindfulness: When you have a tiger by the tail, let it eat you. Psychological inquiry, 18(4), 258-264.
  5. Schmidt, S. (2011). Mindfulness in east and west–is it the same? Neuroscience, consciousness and spirituality (pp. 23-38): Springer.

  6. Coholic, D. A. (2011). Exploring the feasibility and benefits of arts-based mindfulness-based practices with young people in need: Aiming to improve aspects of self-awareness and resilience. Paper vorgestellt im Rahmen von Child & Youth Care Forum.

  7. Vago, D. R., & David, S. A. (2012). Self-awareness, self-regulation, and self- transcendence (S-ART): a framework for understanding the neurobiological mechanisms of mindfulness. Frontiers in human neuroscience, 6, 296.

  8. Holas, P., & Jankowski, T. (2013). A cognitive perspective on mindfulness. International Journal of Psychology, 48(3), 232-243.

  9. Rempel, K. D. (2012). Mindfulness for Children and Youth: A Review of the Literature with an Argument for School-Based Implementation. Canadian Journal of Counselling and Psychotherapy(Online), 46(3), 201.

  10. Moulton, C.-a., & Epstein, R. M. (2011). Self-monitoring in surgical practice: Slowing down when you should Surgical Education (pp. 169-182): Springer.

  11. Brown, K. W., Ryan, R. M., & Creswell, J. D. (2007). Mindfulness: Theoretical foundations and evidence for its salutary effects. Psychological inquiry, 18(4), 211-237.

  12. Kabat-Zinn, J. (2003). Mindfulness-Based Interventions in Context: Past, Present, and Future. Clinical Psychology: Science and Practice, 10(2), 144-156. doi:10.1093/clipsy.bpg016

  13. Salomon, G., & Globerson, T. (1987). Skill may not be enough: The role of mindfulness in learning and transfer. International Journal of Educational Research, 11(6), 623-637.

  14. Glomb, T. M., Duffy, M. K., Bono, J. E., & Yang, T. (2011). Mindfulness at work. Research in personnel and human resources management, 30, 115.

  15. Grossman, P., Niemann, L., Schmidt, S., & Walach, H. (2004). Mindfulness- based stress reduction and health benefits: A meta-analysis. Journal of psychosomatic research, 57(1), 35-43.

  16. Shapiro, S. L., Carlson, L. E., Astin, J. A., & Freedman, B. (2006). Mechanisms of mindfulness. Journal of clinical psychology, 62(3), 373-386.

  17. Stillman, C. M., Feldman, H., Wambach, C. G., Howard, J. H., Jr., & Howard, D. V. (2014). Dispositional mindfulness is associated with reduced implicit learning. Conscious Cogn, 28, 141-150. doi:10.1016/j.concog.2014.07.002

  18. Kang, Y., Gruber, J., & Gray, J. R. (2013). Mindfulness and de-automatization. Emotion Review, 5(2), 192-201.

  19. Zylowska, L., Ackerman, D. L., Yang, M. H., Futrell, J. L., Horton, N. L., Hale, T. S., . . . Smalley, S. L. (2008). Mindfulness meditation training in adults and adolescents with ADHD a feasibility study. Journal of Attention Disorders, 11(6), 737-746.

  20. Teper, R., & Inzlicht, M. (2013). Meditation, mindfulness and executive control: the importance of emotional acceptance and brain-based performance monitoring. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 8(1), 85-92.

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